Zum Thema Scheidung kursiert viel falsches Wissen.
Bei einer Scheidung kommt es häufig zu Streit ums Kind. © Pixel 4 Image _shutterstock.com

Schleswig-Holsteinische Rechtsanwaltskammer. Eine Scheidung markiert einen radikalen Einschnitt im Leben eines Paares oder einer Familie. Sie ist nicht nur eine emotionale Belastung für die gesamte Familie, sondern hat auch finanzielle Auswirkungen. Vielen Betroffenen ist z. B. nicht klar, dass mit in die Ehe eingebrachte Vermögensgegenstände nicht beiden Ehegatten gehören. Auch für Schulden haftet der jeweilige Ehepartner grundsätzlich allein.  Hier erfahren Eheleute, die vor einer Scheidung stehen, welche Rechtsirrtümer weit verbreitet sind.

Nach der Hochzeit gehört den Eheleuten alles zur Hälfte

Das ist nicht richtig. Alles, was den Ehepartnern vor der Ehe allein gehörte, bleibt auch in der Ehe ihr Alleineigentum. Im Normalfall gilt in Deutschland der Güterstand der Zugewinngemeinschaft. Das heißt, dass im Scheidungsfall nur der Zugewinn aufgeteilt wird, den beide während der Ehe erwirtschaftet haben. Aufgeteilt wird der Zugewinn nach einer komplizierten Berechnung, die von einem Rechtsanwalt durchgeführt werden sollte.

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Ehepartner haften gegenseitig für ihre Schulden

Das stimmt so nicht. Jeder Ehepartner behält sein Eigentum für sich und haftet auch nur für seine eigenen Schulden. Eine Ausnahme bilden jedoch die “Geschäfte des täglichen Lebens“ (§ 1357 BGB). Dazu gehören Rechnungen für Öl, Gas und Strom. Auch angeschriebene Summen im Supermarkt und Arztkosten in geringem Rahmen zählen dazu. Für die Bezahlung dieser Rechnungen sind beide Eheleute verantwortlich, auch wenn die Verträge nur von einem Ehepartner unterzeichnet worden sind.

Eheverträge: Abschluss nur vor der Ehe ?

Das stimmt nicht. Ein Ehevertrag kann jederzeit geschlossen und ebenfalls wieder geändert werden. Die Vereinbarung muss jedoch durch einen Notar besiegelt werden.

Gemeinsamer Scheidungsanwalt für beide Eheleute möglich?

Das ist nicht möglich. Ein Anwalt darf niemals beide Eheleute gleichzeitig vertreten. Es ist gesetzlich vorgeschrieben, dass der Scheidungsantrag von einem Rechtsanwalt gestellt wird. Stimmt der Partner diesem Antrag zu, benötigt er keinen eigenen Anwalt. Er hat dann auch keinen Rechtsbeistand, der seine Interessen vertritt.

Scheidung gegen den Willen des anderen nur nach dreijähriger Trennung möglich

Das trifft nicht zu. Eine Ehe kann gegen den Willen des anderen bereits nach einjähriger Trennung geschieden werden. In diesem Fall muss der Antragsteller den Richter jedoch davon überzeugen, dass die eheliche Lebensgemeinschaft zerrüttet ist und nicht mehr wieder hergestellt werden kann. Weist der Antragsteller nach, dass das Fortführen der Ehe eine unzumutbare Härte darstellt, kann die Scheidung bereits vor Ablauf des ersten Trennungsjahres erfolgen. Die Härtefallscheidung kommt in der Praxis jedoch nur selten vor. Gründe für einen Härtefall können u.a. schwerer Ehebruch, schwere Misshandlungen und Morddrohungen sein.

Männer müssen immer Unterhalt zahlen

Das ist nicht richtig. Die geltenden Unterhaltsregelungen betonen die Eigenverantwortung der Ehepartner. Die Unterstützung für den finanziell schwächeren Partner ist durch die Regelungen zum Unterhalt leichter befristet, gekürzt oder gar gestrichen.

Eltern zum Umgang mit ihrem Kind zwingen

Das ist nicht möglich. Laut Bundesverfassungsgericht steht das Wohlergehen des Kindes an erster Stelle. Es besteht auch eine grundsätzliche Pflicht der Eltern, das Kind zu pflegen und zu erziehen. Trotzdem gilt: Man kann einen unwilligen Elternteil nicht zum Umgang mit seinem Kind zwingen. Solch ein Vorgehen läuft dem Kindeswohl zuwider.

Im Zweifelsfall sollten sich Betroffene von einem Rechtsanwalt beraten lassen. Anwälte nennt Ihnen in der Zeit von 9 bis 12 Uhr die Schles­wig-Holsteinische Rechts­anwalts­kammer unter der Telefonnummer 04621/9391-11 oder der Anwaltsuchdienst im Internet: www.rak-sh.de.

Rechtsanwälte sind unabhängige Berater in allen Rechtsangelegenheiten. Sie vertreten ausschließlich die Interessen ihrer Mandanten, helfen bei der Durchsetzung oder Abwehr von Ansprüchen und erarbeiten wirtschaftlich vernünftige Lösungen. Der Anwalt und seine Mitarbeiter sind zur strikten Verschwiegenheit verpflichtet und dürfen auf keinen Fall das Vertrauen der Mandanten durch die Wahrnehmung widerstreitender Interessen enttäuschen.

Besuchen Sie auch die Facebook-Seite der Schleswig-Holsteinischen Rechtsanwaltskammer: www.facebook.com/SH.Rechtsanwaltskammer.

Redaktion: www.azetpr.com

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