Wenn Pflegemängel zweifellos bestehen, haben Betroffene gute Chancen auf Schadensersatz oder Schmerzensgeld.
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Schleswig-Holsteinische Rechtsanwaltskammer. Wir griffen bereits auf, welchen Pflichten Pflegeheime nachkommen müssen. Nun geht es um konkrete Beispiele. Welchen Spielraum haben Bewohner und Angehörige, wenn eine Heimbewohnerin stürzt, bei Bettlägerigkeit schwere Druckgeschwüre auftreten oder sich ein Demenzkranker verbrüht?

Sturz in der Dusche: Recht oft auf Seite der Betroffenen

Fällt etwa eine Seniorin bei einer konkreten Pflegemaßnahme, muss der Träger des Heims beweisen, dass der Sturz nicht abgewendet werden konnte, obwohl vorher alles zum Schutz unternommen worden war. Gegen die Einrichtung vorgehen können Bewohnerin und deren Angehörige, wenn Folgendes gegeben ist: Eine demente Betroffene ist alleine nicht steh- und gehfähig und hätte zum Beispiel beim Toilettengang beaufsichtigt werden müssen, jedoch wurde sie von niemandem aufmerksam begleitet. Ähnliche Aussichten auf Erfolg haben Betroffene, wenn sich Unfälle von Pflegebedürftigen in der Dusche zutragen oder beim Transfer vom Bett in den Rollstuhl. In diesen Fällen wird vermutet, dass die Pflegekräfte ihren Obhutspflichten nicht nachgekommen sind.

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Schwere Druckgeschwüre deuten auf Pflegefehler hin

Durchliegegeschwüre sind ein weiteres Problem, das bei Bewohnerinnen und Bewohnern von Pflegeheimen leider immer wieder auftritt. Ist beispielsweise ein älterer Herr für längere Zeit bettlägerig und nur sehr eingeschränkt beweglich, entsteht Druck auf der Haut und auf dem Unterhautgewebe. Ist der Mann geistig eingeschränkt oder sediert, muss das Personal sorgfältig dokumentieren, welches Risiko für ein Druckgeschwür besteht, seine Liegeposition regelmäßig ändern und bei ersten Anzeichen die Druckstellen umgehend behandeln. Wird dies nicht ordnungsgemäß dokumentiert und treten schwere Schädigungen auf, ist von einem Pflegefehler auszugehen, der geahndet werden kann.

Demenzkranke dürfen nicht mit heißen Getränken alleine gelassen werden

Auch heiße Speisen, Getränke oder Badewasser können für ältere oder kognitiv eingeschränkte Menschen gefährlich werden. Zum Beispiel darf eine Demenzkranke nicht mit einer Kanne heißem Tee alleine gelassen werden. Das Risiko ist zu groß, dass sie den Tee verschüttet und sich schwere Verbrühungen zuzieht. Mehr als heikel wird es auch, wenn eine geistig behinderte Person duscht und die Temperaturregelung nicht genau abschätzen kann. Für einen solchen Fall muss der Heimbetreiber eine Temperaturbegrenzung technisch realisieren.

Schadensersatz in eindeutigen Fällen

In jedem Fall ist es sinnvoll, wenn sich Angehörige von vornherein beim Pflegepersonal nach den täglichen Abläufen oder auch präventiven Maßnahmen erkundigen. Erleidet jemand einen der beschriebenen Schäden und weisen die Indizien deutlich darauf hin, dass Pflegemängel vorliegen, steigen für Betroffene die Chancen, Schadensersatz oder Schmerzensgeld zu erhalten. Im Zweifelsfall sollten Sie einen Rechtsanwalt oder eine Rechtsanwältin zurate ziehen. Anwälte und Anwältinnen nennt auf Anfrage in der Zeit von 9 bis 12 Uhr die Schleswig-Holsteinische Rechtsanwaltskammer unter der Telefonnummer 04621/9391-11 oder der Online-Anwaltssuchdienst der Kammer.

Fehlerhafte Therapie? Was Betroffene tun können, wenn sie einen medizinischen Behandlungsfehler vermuten, erfahren Sie in unserem Blogbeitrag zum Thema.

Redaktion: AzetPR