Halbe-halbe bei der Kinderbetreuung

Nach einer Trennung pendeln viele Kinder zwischen den Eltern.
Immer mehr Kinder leben nach der Trennung der Eltern im
Wechsel bei Mutter und Vater. ©ARIMAG_shutterstock.com

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Rechtsanwaltskammer Koblenz. Kinder leben nach der Trennung der Eltern in den meisten Fällen bei einem Elternteil. Das andere hat lediglich ein Umgangsrecht. Familiengerichte haben sich bisher mehrheitlich an diesem Betreuungsmodell orientiert. Doch immer häufiger möchten getrennte Eltern den Wunsch durchsetzen, gleichberechtigten Umgang mit dem Kind zu haben. Nun hat der Bundesgerichtshof (BGH) mit einer wegweisenden Entscheidung klargestellt, dass das sogenannte Wechselmodell auch gegen den Willen eines Elternteils möglich sein kann (BGH-Beschl. Vom 01.02.2017 – XII ZB 601/15).

Elternsein im Wechsel

Beim Wechselmodell teilen sich Mutter und Vater die Betreuung des Kindes paritätisch. Ist jedoch ein Elternteil nicht einverstanden mit der abwechselnden Betreuung, kann das Modell dennoch angewendet werden, so lautet der Beschluss. Allerdings kann das Kind nur dann z.B. eine Woche bei der Mutter und eine Woche bei dem Vater leben, wenn es seinem Wohle am besten entspricht.

Kindeswohl oberste Priorität

Ob zwei feste Elternhäuser die optimale Lösung für das Kind sind, wird von Fall zu Fall entschieden. So prüfen Familiengerichte, welche Beziehungen, Bindungen und Wünsche das Kind hat. Auch die Frage, ob sich die Eltern in erzieherischer Hinsicht für das Modell überhaupt eignen, spielt eine Rolle.

Ein Minimum an Konsens

Da das Pendeln zwischen zwei festen Wohnsitzen Alltag für das Kind wird, müssen die Eltern deutlich intensiver miteinander kooperieren. Laut BGH ist ein Mindestmaß an Kooperationsfähigkeit zwischen  den getrennten Eltern Voraussetzung. Auch sollten die Wohnungen der Eltern möglichst nahe beieinander liegen und Betreuungseinrichtungen gut erreichbar sein.

Kein Sparmodell

Häufig denken die Eltern, dass beim Wechselmodell die Unterhaltszahlungen an den Ex-Partner entfallen. Doch das ist ein Irrtum. Beide Elternteile müssen auch dann für den Kindesunterhalt aufkommen. Der Unterhaltsbedarf bemisst sich nach dem beiderseitigen Einkommen der Eltern. Darunter fallen unter Umständen auch Mehrkosten, die das Wechselmodell mit sich bringt. Gegenüber dem besser verdienenden Elternteil kann das Kind seinen Unterhaltsanspruch durchsetzen.

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Redaktion: www.azetpr.com

 

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