Wenn der Koffer verschwunden ist

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Rechtsanwaltskammer Koblenz. Der Alptraum eines jeden Reisenden am Urlaubsort wird wahr: Man steht am dicht umdrängten Gepäckband, das sich nach und nach lichtet. Dann die schlichte Gewissheit: Der Koffer ist weg, was tun?

Wenn das Gepäck nach ordnungsgemäßen Einchecken in der Obhut der Fluggesellschaft verschwindet, ist – unabhängig vom Bestehen eigener Versicherungen – der Ersatz des Schadens gewährleistet: Alle Flug­gesellschaften leisten Ersatz für verlorene oder be­schädigte Gepäckstücke. Hier heißt es dann Nach­weise zur Höhe des Schadens bringen, was war der Koffer wert, welche Gegenstände befanden sich im Koffer, wie alt waren sie und zu welchem Anschaf­fungspreis wurden sie erworben.

Was aber tun, wenn das Gepäck nicht in der Obhut der Fluggesellschaft verloren ging. Etwa dann, wenn bei Abflug oder Ankunft am Flughafen das Gepäck abhan­den kam. Der erste Gedanke an die eigene Hausrat­versicherung, die eintrittspflichtig sein könnte, muss gleich verworfen werden. Deren Inanspruchnahme kommt überhaupt nur dann in Betracht, wenn es sich – auch auf Reisen – um einen Einbruchdiebstahl handeln würde.

Wohl dem, der in einer solchen Situation über eine Reisegepäckversicherung verfügt. Allerdings gibt es auch hier viele „Haken und Ösen“: Vom Versiche­rungsschutz umfasst ist sowohl der Diebstahl als auch das Verlieren von Gepäck, sofern es nicht liegen ge­lassen wurde. Das Versicherungsunternehmen ist bei ungeklärtem Abhandenkommen leistungspflichtig. Der Versicherungsnehmer selbst hat nur den Verlust und dessen Unfreiwilligkeit zu beweisen.

Grobe Fahrlässigkeit des Reisenden führt allerdings zum Ausschluss des Versicherungsschutzes: Auch bei einer Reise muss zwar die Aufmerksamkeit nicht vor­wiegend und nicht ununterbrochen auf die eigene Habe gerichtet sein. Die Sorgfaltsanforderungen steigen allerdings mit dem Wert der Gepäckstücke. Maß­gebend ist auch, ob das Gepäck in der besonderen Situation verlustgefährdet war. Dies wird für die Situa­tion in einem Flughafen ohne Weiteres zu bejahen sein. Bei der Schadenabwicklung muss daher im Einzel­nen vorgetragen werden, in welcher Weise das Ge­päck platziert und beobachtet wurde. Wenn die übli­chen Sorgfaltspflichten erfüllt wurden, wird sich das Versicherungsunternehmen nicht auf einen Fall grober Fahrlässigkeit berufen können.

Bei dem Diebstahl des Gepäcks aus dem verschlosse­nen Hotelzimmer wird sich das Versicherungsunter­nehmen nur ausnahmsweise (z.B. beim Schlüsselver­lust) auf grobe Fahrlässigkeit des Versicherungsneh­mers berufen können.

In jedem Fall sind die vom Versicherungsnehmer ein­zuhaltenden Obliegenheiten zu beachten, wonach eine Verpflichtung zur unverzüglichen Schadenanzeige bei dem Versicherungsunternehmen besteht, der Schaden gering zu halten ist und Ansprüche gegenüber Dritten geltend gemacht werden müssen. Schäden durch strafbare Handlungen sind außerdem unverzüglich den zuständigen Polizeidienststellen unter Einreichung ei­ner Liste aller in Verlust geratenen Dinge anzuzeigen und sich über diese Anzeige eine Bescheinigung der Polizei ausstellen zu lassen.

Im Zweifelsfall sollten Betroffene einen Anwalt aufsuchen. Fachanwälte und Anwälte, die sich auf bestimmte Rechtsgebiete spezialisiert haben, nennt Ihnen auf Anfrage die Rechtsanwaltskammer Koblenz unter der Telefonnummer 0261/30335-55 oder der Anwaltsuchdienst im Internet: www.rakko.de.

Die Rechtsanwaltskammer Koblenz vertritt die Rechts­anwälte der Landgerichtsbezirke Bad Kreuz­nach, Koblenz, Mainz und Trier.

Rechtsanwälte schützen als unabhängige Berater und Vertreter in allen Rechtsangelegenheiten ihre Mandanten vor Rechtsverlusten und begleiten sie rechtsgestaltend, konfliktvermeidend und streitschlichtend. Sie bewahren ihre Mandanten vor Fehlentscheidungen durch Gerichte und Behörden und sichern die Mandanten vor verfassungswidrigen Beeinträchtigungen und vor staatlicher Machtüberschreitung.

Rechtsanwälte haben strenge berufsrechtliche Regelungen zu beachten wie z.B. die Verschwiegenheitsverpflichtung. Sie dürfen das Vertrauen der Mandanten nicht durch die Wahrnehmung widerstreitender Interessen enttäuschen.

Redaktion: www.azetpr.com

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