Info-Abend in Koblenz: Wie das Erbe in die richtigen Hände kommt


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Rechtsanwaltskammer Koblenz. Beim Koblenzer Erbrechtstag am 18.09.2017 erklären Rechtsanwalt Lothar Breitenbach, Fachanwalt für Erbrecht, Bau- und Architektenrecht sowie für Miet- und Wohnungseigentumsrecht, Rechtsanwalt Stefan Poths, Fachanwalt für Erbrecht, Familienrecht und Verkehrsrecht und Rechtsanwalt Dr. Oliver Siebert, Fachanwalt für Erbrecht und Versicherungsrecht, wie man bestimmte Vermögensgegenstände an einzelne Personen vermachen kann und den Pflichtteil an unliebsame Verwandte möglichst gering hält.

Auch der Staat kann erben
„Jeden Tag wird in Deutschland eine halbe Milliarde Euro vererbt“, beginnt Lothar Breitenbach seinen Vortrag. Nach einer Studie der Postbank seien es vor allem die Immobilien, die das Vermögen wachsen lassen. Aber Erben und Vererben ist nicht immer einfach. „Bei 17 Prozent der Erbfälle kommt es zu Streitigkeiten“, so der Fachanwalt für Erbrecht.

Es gibt Erblasser, die mit dem Thema „Erben und Vererben“ ganz gelassen umgehen und gar nichts unternehmen. Dann greift die gesetzliche Erbfolge. Danach erben Verwandte nach Ordnungen. Erben der ersten Ordnung sind die Abkömmlinge. Das sind  die Kinder oder Enkel. Das Erbrecht des überlebenden Ehegatten ist gesondert geregelt. Im gesetzlichen Güterstand der Zugewinngemeinschaft erbt der Ehegatte neben Kindern zur Hälfte. Gibt es keine Erben der ersten Ordnung, erben die Erben der zweiten Ordnung: Eltern und Geschwister. Sind diese auch nicht vorhanden, erben die folgenden Ordnungen. Falls keine Verwandten ausfindig gemacht werden können, fällt der Nachlass an den Staat.

Wenn aber der Ehegatte alles erben soll, muss der Erblasser schon zu Lebzeiten tätig werden. Eine Möglichkeit ist, ein gemeinschaftliches Ehegattentestament aufzusetzen, bei dem sich die Ehepartner gegenseitig als Alleinerben einsetzen.

Vermacht ist nicht vererbt
Beim Vererben kann man sehr schnell etwas falsch machen. Und nicht selten kann sich das nachteilig auf die Erben auswirken. „Über 400 Paragrafen befassen sich im Bürgerlichen Gesetzbuch mit dem Erbrecht“, erläutert Stefan Poths. Wer seinen letzten Willen in einem Testament rechtssicher zu Papier bringen möchte, solle sich daher vorher beim Rechtsanwalt beraten lassen. Ein Nachlass setzt sich wie ein Puzzle aus vielen Teilen zusammen, trägt Poths vor. Wolle man einen einzelnen Vermögensgegenstand an eine bestimmte Person vermachen, muss der Erblasser festlegen, wer dieses „Vermächtnis“ erhalten soll.

Wichtig ist dabei zu beachten, dass ein Vermächtnisnehmer kein Erbe ist. Er muss sich nicht um die Beerdigung kümmern und gehört nicht zur Erbengemeinschaft. Vermacht werden können unter anderem Wohnrechte, die auch befristet werden können, Gegenstände sowie Rechte, wie zum Beispiel Urheberrechte. Ein Vermächtnisnehmer muss sein Vermächtnis immer fordern. Wird ein Haus vermacht, so muss bedacht werden, dass die Erben die Immobilie erst an den Vermächtnisnehmer übertragen können, wenn die Erbenstellung – gegebenenfalls durch einen Erbschein – nachgewiesen ist. Das kann dauern. Grundsätzlich hat der Vermächtnisnehmer drei Jahre Zeit, sein Vermächtnis von den Erben zu fordern.

Enterben, aber wie?
„Soll ein Pflichtteil reduziert oder die Auszahlung erst einmal vermieden werden, um die wirtschaftliche Existenz des überlebenden Ehepartners nicht zu gefährden, ist es am besten, wenn sich zunächst alle Beteiligten an einen Tisch setzen. Mögliche Gestaltungsmöglichkeiten im Erbfall sollten in Ruhe besprochen werden“, rät Dr. Oliver Siebert. Kommt es zu keiner Einigung, bestehen vielfältige Möglichkeiten einer Pflichtteilsreduzierung bereits zu Lebzeiten. Mit einer Erwachsenenadoption können neue Pflichtteilsberechtigte geschaffen und die Pflichtteilsquote weiterer Abkömmlinge dadurch reduziert werden. Es gibt aber auch güterrechtliche Lösungen, die Zugewinnansprüche auslösen und somit den Pflichtteil reduzieren.

Die Möglichkeiten des Vererbens sind in jedem Falle vielfältig. Eine Beratung beim Rechtsanwalt hilft die für einen Erblasser passende Lösung zu finden. Eine Erstberatung kostet nur 100 Euro. Oft zahlen auch die Rechtsschutzversicherungen die Erstberatungsgebühren. Wird eine Beratung gewünscht, die über die Erstberatung hinausgeht, sollte sich der Mandant nicht scheuen, nach den Kosten zu fragen. Es können Stundensätze vereinbart werden, oder das Anwaltshonorar wird nach dem Streitwert berechnet.

Im Zweifelsfall sollten Betroffene einen Anwalt aufsuchen. Fachanwälte und Anwälte, die sich auf bestimmte Rechtsgebiete spezialisiert haben, nennt Ihnen auf Anfrage die Rechtsanwaltskammer Koblenz unter der Telefonnummer 0261/30335-55 oder der Anwaltsuchdienst im Internet: www.rakko.de.

Die Rechtsanwaltskammer Koblenz vertritt die Rechts­anwälte der Landgerichtsbezirke Bad Kreuz­nach, Koblenz, Mainz und Trier.

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Rechtsanwälte haben strenge berufsrechtliche Regelungen zu beachten wie z.B. die Verschwiegenheitsverpflichtung. Sie dürfen das Vertrauen der Mandanten nicht durch die Wahrnehmung widerstreitender Interessen enttäuschen.

Redaktion: www.azetpr.com

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